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Renditequelle: niedrige, relative Schwankungsbreite (Low Volatility)

Investment
29.01.2019

Studien zeigen: Aktien mit geringer Schwankungsbreite liefern im Schnitt bessere Ergebnisse als stark schwankende Aktien. Damit sind tendenziell schwankungsarme Aktien folglich auch für defensive Strategien als Portfoliobestandteil geeignet.

Wie identifiziert man potenziell vorteilhafte Aktien? Ein sehr hilfreiches Markenzeichen ist eine relativ niedrige Schwankungsbreite, im Fachjargon „Low Volatiliy“, kurz „Low Vola“ genannt. Entgegen der Effizienz-Markt-Hypothese geht mit einem höheren Risiko nicht immer eine höhere Rendite einher. In einer Studie¹ über den US-Aktienmarkt wiesen Pim van Vliet und Jan de Koning sogar nach, dass US-Aktien, die in der jüngeren Vergangenheit relativ geringe Schwankungen aufwiesen, systematisch besser abschnitten als jene Titel mit relativ hohen Schwankungen.

+Kasten mit Foto WNeubrander:

Als Volkswirt setzt HAC-Vorstand Wolfram Neubrander auf harte Fakten und fundierte Analysen. Privat verlässt er sich auf seine gute Nase – wenn er hier und da in Wein investiert.

Unter Zuhilfenahme unserer Datenanbieter erzielten wir in unseren Tests vergleichbare Ergebnisse für alle von uns untersuchten Aktienmärkte. In der Abbildung sehen Sie ein Beispiel für den deutschen Aktienmarkt. Die Performancedaten für die 160 deutschen Indexaktien aus DAX, MDAX und SDAX inklusive aller auch nur temporär in den Indizes enthaltenen Titel reichten bei unseren Datenanbietern bis ins Jahr 2003 zurück. Während der DAX in den zurückliegenden fast 18 Jahren auf eine Performance von +273% oder +8,6% pro Jahr zurückblicken kann, lieferten die 30 Titel mit der jeweils geringsten Volatilität im zurückliegenden Halbjahr (Low-Vola-30) eine Rendite von +519% bzw. +12,1% p.a. Die volatilsten 30 deutschen Indexaktien kamen hingegen nur auf +177% oder +6,6% p.a. Auffällig ist auch, dass Aktien mit niedriger Volatilität in der Vergangenheit dazu neigen, auch zukünftig niedrig volatil zu bleiben, ebenso wie historisch hochvolatile Aktien mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zukünftig recht hochvolatil bleiben.

+Abbildung:

LowVola auf deutsche Indexaktien: Mehr Rendite mit weniger Risiko

Der Backtest* zeigt, wie sich High- und Low-Vola-Modellportfolien im Vergleich zum DAX entwickelt hätten. Die zu erwartenden Schwankungen und Verluste lägen in dem Szenario mit niedrig volatilen Aktien geringer als im Marktdurchschnitt.

+Erläuterung:

* Bitte beachten Sie: Backtests (Rückrechnungen) mit historischen Daten haben nur eine begrenzte Aussagekraft und sind abhängig von den gewählten Daten und statistischen Methoden. Ergebnisse der Vergangenheit stellen keine Prognose einer Wertentwicklung für die Zukunft dar!

Um die Qualität von Strategien gut zu erfassen, erscheint es mir sinnvoll, statt kurzer Zeiträume besser einen vollständigen Börsenzyklus, bestehend aus einem Bullen- und einem Bärenmarkt zu erfassen. Im Betrachtungszeitraum 2003-2018 bieten sich da zwei Zeiträume an: (1) Vom Bärenmarkt-Tief im März 2003 bis zum Bärenmarkt-Tief vom März 2009 sowie (2) vom Bullenmarkt-Hoch im Juli 2007 bis zum bisherigen Bullenmarkt-Hoch im Januar 2018. Über beide Zeiträume hat die Auswahlprozess „Low-Vola-30“ sowohl den DAX-30 als auch die Auswahl „High-Vola-30“ eindrucksvoll übertroffen (s. Abbildung und Tabelle). Die bessere Rendite resultierte insbesondere aus deutlich geringeren Verlusten in Abwärtsphasen. In Aufwärtsphasen bleiben Low-Vola-Aktien hingegen häufig etwas hinter dem Tempo des Marktes zurück.

+Abbildung:

Marktphasen im Low-Vola-Backtest (Die Marktphasen wurden annäherungsweise eingeteilt)

Fazit

Wie stark eine Aktie im Vergleich zu anderen schwankt, sagt viel über das Vertrauen der Anleger in diesen Titel aus. Je größer das Vertrauen, umso geringer die relativen Kursschwankungen. Bei der regelbasierten Auswahl vorteilhafter Aktien ist relative Volatilität ein sehr wichtiger Faktor. Für US-Aktien belegten Pim van Vliet und Jan de Koning die historisch überdurchschnittlich guten Ergebnisse niedrigvolatiler Aktien, wir gelangten in unseren Analysen für den deutschen Aktienmarkt zu vergleichbaren Daten. Über einen gesamten Börsenzyklus (Bullen- und Bärenmarkt) ist der Vorsprung von Low-Vola beeindruckend. Die Überrendite speist sich in der Regel aus signifikant geringeren Verlusten im Bärenmarkt. Der im Vergleich eher kleine Preis besteht in etwas kleinen Gewinnen im Bullenmarkt, was auch erklärt, warum so viele Anleger – die typischerweise in Bullenmärkten an die Börse strömen – Low-Vola-Aktien zu ihrem eigenen Nachteil oftmals meiden. Aus diesem Grund setzen wir bei unserer Aktienauswahl auf zusätzlich Faktoren, wie beispielsweise ein vorteilhaftes Momentum, fundamentale Qualität und Gleichgewichtung. Diese Kriterien werden wir in weiteren Pfadfinder-Studien in 2019 in den Fokus stellen.

+Kasten

Volatilität, zu Deutsch oft Schwankungsbreite genannt, bezeichnet in der Statistik allgemein die Schwankung von Zeitreihen. In Bezug auf Aktien und Indizes dient die implizite Volatilität als Maß zur Risikoeinschätzung. Im Unterschied zur historischen Volatilität beruht die implizite Volatilität nicht auf historischen Zeitreihen, sondern wird aus den Marktpreisen von Optionen abgeleitet. Investoren können Optionen als Absicherungsinstrumente nutzen. Werden sie nervös und fragen vermehrt Absicherungsinstrumente nach, steigen die Optionspreise. Aus diesem Grund werden Volatilitätsindizes häufig auch als Panikindikatoren bezeichnet. Vielen Aktienindizes verfügen über eigene Volatilitätsindizes: Zum Beispiel gibt der VDAX-NEW die implizite Volatilität des DAX für die nächsten 30 Tage an. Für den S&P 500 (US-Aktienmarkt) ist der VIX der Index der Schwankungsbreite, für den Euro Stoxx 50 ist es der VSTOXX und für den Swiss Market Index (SMI) der VSMI. Im Pfadfinder-Brief ist die Beobachtung der Entwicklung der Volatilitätsindizes ein fester Bestandteil der regelmäßigen Marktanalyse.

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