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Marktsicht: Wann wird es Zeit, gierig zu werden?

AktuellInvestment
02.12.2022

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 15 vom 03. Oktober 2022, von Daniel Haase

 

 

«Sei ängstlich, wenn die anderen gierig
und gierig, wenn die anderen ängstlich sind.»
Warren Buffett, Investor (geb. 30.08.1930 in Omaha, Nebraska, USA)

 

«Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem
John Connally (1917-1993), US-Politiker, u.a. Finanzminister unter Richard Nixon

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

eine alte, hanseatische Kaufmannsweisheit besagt: „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Werden Qualitätswaren zu Schnäppchenpreisen angeboten, dann greifen Konsumenten schon mal etwas reichlicher als gewöhnlich zu. Der günstige Einkauf geht mit einem guten Gefühl beim Käufer einher. An den Finanzmärkten gilt die Kaufmannsregel zwar auch, doch ihre Umsetzung ist auf der emotionalen Seite eine größere Herausforderung.

An der Börse gehen Schnäppchenpreise naturgemäß mit großen Zukunftssorgen vieler Marktteilnehmer einher. Die Stimmung ist schlecht und es fällt schwer, zwischen möglicherweise berechtigten und übertriebenen Preisrückgängen zu unterscheiden. Während im Bullenmarkt (fast) alle immer optimistischer werden, nimmt im Bärenmarkt der Pessimismus bei vielen stetig zu. Erst wenn jene Anleger mit schwachen Überzeugungen und – so André Kostolany – entsprechend zittrigen Händen ihre Bestände in Panik zu Tiefstpreisen an jene Anleger mit festen Überzeugungen bzw. starken Händen verkauft haben, endet der Bärenmarkt und es kann wieder aufwärts gehen. Wo stehen wir in diesem Zyklus?

Bereits im Juni sah sich die EZB gezwungen, neue Notfall-Instrumente anzukündigen, um damit auf ein Auseinanderdriften der Euro-Zinsen (Italien in Gefahr) zu reagieren. Dank dieser Instrumente wird die EZB nun sukzessiv zu einer zweiten Banca d’Italia und der Euro zur neuen Lira. Im September gab es an den Devisen- und Rentenmärkten weitere Panik-Signale: Japans Zentralbank intervenierte mit massiven Dollar-Verkäufen gegen den sich beschleunigenden Kursverfall des Yen. Nur wenige Tage später griff die Bank von England zu Notfallmaßnahmen, um den Crash bei britischen Staatsanleihen durch – via Druckerpresse finanzierte – Käufe zu stoppen.

Zentral für die Finanzmärkte ist jedoch der Kurs der US-Notenbank. An den Devisenmärkten signalisiert der Kursanstieg des Dollar (s. Abb. 2) kein starkes Amerika, sondern signifikanten Stress im globalen Finanzsystem.

 

 

Dieser Stress wird erst nachlassen, wenn Jerome Powell den Kurs der Federal Reserve wieder in Richtung Lockerung dreht. Wann wird das sein? In der Vergangenheit lautete die Antwort regelmäßig: zu spät. Powell sah die Inflation nicht kommen, obwohl er ihr Wegbereiter war. Als die Inflation auf breiter Front Fahrt aufnahm, bezeichnete er sie wiederholt als „vorübergehend“. Nun, da der Höhepunkt der ersten Inflationswelle (zumindest außerhalb Europas) möglicherweise schon überschritten ist, schickt er sich an, die Inflation mit aller Härte zu bekämpfen. Powell wird kämpfen, bis die Rezession – die er anfangs als „Soft Landing“ verharmlosen wird – in den USA Ausmaße annimmt, die er nicht mehr ignorieren kann. Angesichts der Paniksignale aus der Peripherie (Japan, England, Eurozone) könnte dieser Moment schneller kommen, als viele glauben, womöglich bereits im nun begonnenen, vierten Quartal 2022.

Schon jetzt notieren Nebenwerte in Europa (z.B. MDAX, SDAX) aber auch viele Schwellenländer-Indizes 40% und mehr unter ihren 2021er-Hochs (s. Abb.1).

 

 

Natürlich können Aktien immer noch preiswerter werden, bevor der Trend dreht, doch bei HAC halten wir die folgenden zwei Annahmen für realistisch: (1) Qualitätsunternehmen passen sich zügig an neue Rahmenbedingungen an und werden anschließend weiter erfolgreich sein sowie (2) Papierwährungen wie der Euro werden in diesem Jahrzehnt vermutlich erheblich an Kaufkraft verlieren.

Wer diese beiden Annahmen teilt, dürfte wie wir davon ausgehen, dass viele Qualitätsaktien im Laufe der kommenden Jahre zumindest nominal neue Hochs erreichen. Sollten sich im vierten Quartal 2022 die Stress- & Panik-Signale weiter verstärken, dann nähern wir uns unweigerlich einem Moment, für den Buffetts Leitspruch gilt: „Werde gierig, wenn die anderen ängstlich sind.“ Wir bereiten uns darauf vor.

Herzlichen Grüße
Ihr Daniel Haase

 

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für den 4. November 2022 geplant.

PPS: Zukünftig wird der Pfadfinder-Brief monatlich erscheinen. Zusätzlich werden wir Beiträge (Pfadfinder-Telegramme) als Podcast und Videobeiträge u.a. auf Youtube, Spotify und Audible veröffentlichen, in denen wir sowohl auf aktuelle Marktentwicklungen als auch auf unsere Strategien näher eingehen werden.

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