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Marktsicht: Von der Unipolaren zur Multipolaren Weltordnung

AktuellInvestment
10.01.2023

Aus dem Pfadfinder-Brief Nr. 01 vom 04. Januar 2023, von Daniel Haase

 

«Nicht das, was wir nicht wissen,
bringt uns in Schwierigkeiten, sondern jenes,
was wir sicher wissen,
obwohl es einfach nicht stimmt.»

Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller und Spekulant

«Wie bist du bankrottgegangen?»
«Auf zweierlei Weise. Erst schleichend und dann plötzlich.»

Dialog zwischen Bill Gorton und Mike Campbell im
Roman «Fiesta» von Ernest Hemingway

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

in den Verträgen von Bretton-Woods (1944) sicherten die USA ausländischen Zentralbanken das Recht zu, ihre US-Dollarbestände jederzeit und in unbegrenzter Höhe bei der Federal Reserve – im Verhältnis von 35 Dollar je Unze – in Gold einlösen zu können. Jederzeit endete am 15. August 1971, als Präsident Nixon dieses Versprechen einseitig brach. Er sprach damals keineswegs von Zahlungsverweigerung oder gar Insolvenz, sondern nur davon, „das Goldfenster zu schließen“ (ein früher „Habeck“). Klarer formulierte es der damalige US-Finanzminister John Connally, der seinen, vorab nicht eingeweihten, europäischen Kollegen unverblümt erklärte: „Der US-Dollar ist unsere Währung, aber er ist euer Problem.“

Dem Ende der Goldbindung folgte ein inflationäres Jahrzehnt, in dem sich die Kaufkraft des Dollars praktisch halbierte. Dennoch blieb Amerika unangefochten und mit großem Abstand die wichtigste Industrienation der Welt und der Dollar konnte bis heute ebenso unangefochten seine Position als wichtigste Währung sowohl im Welthandel als auch im internationalen Finanzsystem halten. Wer bspw. Öl kaufen wollte, musste in US-Dollar bezahlen, so dass alle ölimportierenden Volkswirtschaften genötigt waren, jederzeit ausreichende Dollar-Reserven vorzuhalten. Im vergangenen Jahr wechselte auch Europa von preiswerter in Euro bezahlbarer Energie aus Russland auf nunmehr deutlich teurere, in US-Dollar zu bezahlende Energie aus den USA, Katar usw. Seit geraumer Zeit setzt die US-Regierung den Dollar zunehmend als politische Waffe ein, indem sie einseitig jeden Dollar-Benutzer dem US-Recht unterstellt und im Zweifel mit empfindlichen Sanktionen bedroht. Doch was sind die ungewollten Konsequenzen dieser Sanktionen?

Die US-Sanktionen beispielsweise gegen Russland, Venezuela und den Iran (die drei Länder stehen für ein Drittel der weltweiten Ölreserven und über 40% der globalen Erdgasreserven) sorgen dafür, dass China erhebliche Mengen Energie aus eben diesen Ländern mit großem Rabatt auf den Weltmarktpreis beziehen und obendrein in Yuan statt in Dollar bezahlen kann.  Kein Wunder, dass der weltgrößte Chemiekonzern BASF seine Produktionskapazitäten in Europa drosseln und in China ausbauen möchte. Gleichzeitig steigern die US-Sanktionen für viele  Länder den Anreiz, ihre Abhängigkeit vom Dollar (und der US-Regierung) sowohl bei ihren Devisenreserven als auch bei ihren Finanz- und Handelstransaktionen zu überdenken.

 

 

Im Dezember fand in der saudischen Hauptstadt Rijad der erste Gipfel zwischen dem Golfkooperationsrat und seinem inzwischen wichtigsten Handelspartner China statt. Präsident Xi Jinping bot den versammelten, arabischen Staats- und Regierungschefs langfristige Energiekooperationen an, die neben umfangreichen Investitionen in den Ausbau ihrer Industrien auch die vollständige Abwicklung all ihrer Öl- und Gasgeschäfte in Yuan (statt in Dollar) über die Börse in Shanghai beinhaltet. China werde, so Xi, die nötige technische und finanzielle  Infrastruktur „innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre“ (!) fertigstellen. Woran China, Russland, Indien und diverse OPEC-Staaten arbeiten ist nichts weniger als das Endes Petro-Dollars  (und der Start des Petro-Yuan). Der Dollar wäre zwar weiterhin die Währung der USA aber nicht mehr länger das Problem der übrigen Länder. Zusätzlich: In wenigen Jahren  könnte das Motto vieler, heutiger Schwellenländer lauten: „Unsere Rohstoffe, euer Problem.“

 

 

Auf ein Ende des „imperialen Privilegs“ des US-Dollars ist Amerika denkbar schlecht vorbereitet. US-Aktien sind teuer und in den globalen Portfolios übergewichtet, der Dollar ist hoch bewertet und sowohl die US-Regierung als auch die US-Konsumenten sind zur Finanzierung ihrer Ausgaben auf erhebliche ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen. Für Europa und Amerika beinhalten die o.g. Entwicklungen auf mittlere Sicht signifikante, zusätzliche Versorgungs- und Inflationsrisiken. Als Investor sollte man daher die Risiken von Euro- und US- Dollar-Staatsanleihen neu kalkulieren. An Aktien führt m.E. in diesem Jahrzehnt kein Weg vorbei. Dass wir bei der Suche nach Qualitätsunternehmen immer häufiger im asiatisch- Pazifischen Raum und in rohstoffproduzierenden Ländern (und seltener in Amerika und Europa) fündig werden, zeigt, dass die Finanzmärkte möglicherweise bereits begonnen haben, diese  Entwicklungen einzupreisen.

Herzlichen Grüße und allen Lesern ein frohes, neues Börsenjahr!
Ihr Daniel Haase

 

PS: Der nächste Pfadfinder-Brief ist für den 3. Februar 2023 geplant.

PPS: Zukünftig wird der Pfadfinder-Brief monatlich erscheinen. Zusätzlich werden wir Beiträge (Pfadfinder-Telegramme) als Podcast und Videobeiträge u.a. auf YoutubeSpotify und Audible veröffentlichen, in denen wir sowohl auf aktuelle Marktentwicklungen als auch auf unsere Strategien näher eingehen werden.

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